Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung im IQ Landesnetzwerk Berlin: Statistische Kurzanalyse 2017

5 Jahre nach Inkrafttreten des „Anerkennungsgesetzes“ kommen mehr Menschen mit ausländischen Berufsqualifikationen in die Berliner IQ Beratungsstellen als je zuvor. In 2017 bilden Geflüchtete mit syrischen Abschlüssen und Migranten mit Abschlüssen aus EU-Staaten die größte Gruppe der Ratsuchenden. 

Seit Beginn der IQ Anerkennungsberatung in Berlin sind die Beratungszahlen kontinuierlich angestiegen. In 2017 haben insgesamt 4.010 Fachkräfte mit im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen eine Beratung zu den Anerkennungs- bzw. Qualifizierungsmöglichkeiten bei den drei Berliner IQ Beratungsstellen in Anspruch genommen - 8,7 % mehr Ratsuchende als in 2016 und mehr als je zuvor. Der gestiegene Anteil an Geflüchteten in den angebotenen Beratungen hat dabei in den vergangenen Jahren zu einer Veränderung der soziodemografischen Struktur der Zielgruppe geführt (z.B. Geschlecht, Erwerbsland, Deutschkenntnisse). Während in 2012-2015 das Geschlechterverhältnis kontinuierlich in etwa 60 % Frauen und ca. 40 % Männer aufgeteilt war, erfolgte in 2016 eine Angleichung zu einer 50 % Aufteilung, die auch in 2017 nahezu gehalten wurde. Wie auch in 2016, wiesen die Ratsuchenden in der IQ Anerkennungsberatung Berlin auch in 2017 ein sehr hohes Bildungsniveau nach. Über 70 % der mitgebrachten Abschlüsse wurden an einer Hochschule oder Universität erworben, während knapp 30 % der Ratsuchenden Berufsausbildungen absolviert haben. In 2014 und 2015 betrug der Anteil der akademischen Abschlüsse nur etwa 64 %.

Die meisten Abschlüsse der Ratsuchenden wurden 2016 in der EU/EWR/Schweiz erworben (26,9 %), gefolgt von Abschlüssen aus Syrien mit 25,7 %. In 2017 jedoch kamen mit Abstand die meisten Ratsuchenden mit Abschlüssen aus Syrien (27,4 %) und nur noch 22,2 % mit Abschlüssen aus der EU/EWR/Schweiz, trotz der im Vergleich zu 2015 und 2016 erheblich geringeren Neuzuwanderung von Syrerinnen und Syrern nach Deutschland. Daran wird ersichtlich, dass der Beratungsbedarf hinsichtlich der beruflichen Anerkennung verzögert zur Einreise ist und erst eine wichtigere Rolle einnimmt, wenn die Neuankömmlinge bereits erste Deutschkenntnisse erworben und einen festen Wohnsitz haben. 14,8 % der Abschlüsse wurden in den GUS Staaten erworben mit leichtem Rückgang zum Vorjahr (-0,8 %). Ein leichter Anstieg war weiterhin bei Abschlüssen aus der Türkei (+1,6 %), sowie aus Nord-/Mittel- und Südamerika (+0,3 %) zu verzeichnen.

Zwei Drittel aller ratsuchenden Personen haben keine Fluchterfahrung gemacht, sondern sind aus anderen Gründen nach Deutschland zugewandert.Knapp über ein Drittel sind Geflüchtete, die zum Beratungszeitpunkt im Durchschnitt über ein geringeres Deutschniveau verfügen als Ratsuchende ohne Fluchterfahrung. Der Anteil der Ratsuchenden aus EU/EWR/Schweiz lag mit 22,9 % in 2017 etwas unter dem Wert von 2016 mit 26,7 % (vgl. Diagramm).

Die Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung des IQ Netzwerks Berlin wurde in 2017 stärker denn je nachgefragt. Politische und wirtschaftliche Entwicklungen weltweit bestimmen die Veränderungen in den Beratungsanfragen. So nahmen Anfragen aus der Türkei und Anfragen zu syrischen Abschlüssen mit zeitlicher Verzögerung nach Klärung der Aufenthaltstitel und der ersten Schritte in Deutschland in 2017 zu. 

Mehr Informationen zu den IQ Berlin Statistiken unter:
http://www.berlin.netzwerk-iq.de/anerkennung/statistiken/

Autorin:
Daria Braun
Zentrale Erstanlaufstelle Anerkennung
Otto Benecke Stiftung e.V.