IQ im Portrait: Das Projekt „Sprachkompetenz und Berufsorientierung für Gesundheitsberufe (SpraBo)“

Charité und Vivantes - gemeinsam für geflüchtete Menschen

Seit Ende 2016 bieten Charité und Vivantes durch das Kooperationsprojekt SpraBo http://www.berlin.netzwerk-iq.de/qualifizierung/angebote-fuer-gefluechtete/geflüchteten Menschen die Möglichkeit einen Einblick in das Berufsfeld Pflege zu erlangen.  Die SpraBo Berufsorientierungskurse sind Teil des Berliner Landesnetzwerks für „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ – Ziel des bundesweiten Förderprogramms ist  vorhandene Potenziale von Menschen mit Migrationshintergrund zu aktivieren und zu nutzen. Dies gilt auch für die Teilnehmenden der SpraBo Kurse  – einige haben bereits in ihrem Heimatland oder über die Betreuung von Angehörigen einschlägige Erfahrungen im Pflegebereich gesammelt. Pro Jahr werden je Einrichtung zwei Berufsorientierungskurse durchgeführt. Im Juni 2018 beginnt der vierte SpraBo Kurs.  Bis Ende 2018 werden 80 Personen an den Kursen teilgenommen haben – viele entschließen sich im Anschluss in den Pflegeberuf zu gehen.

Die SpraBo Kurse fördern nicht nur die Ausbildungsreife der geflüchteten Menschen, sondern bietet ebenso den künftigen Ausbildungsunternehmen Charité und Vivantes Gelegenheit, die Eignung der Teilnehmenden für das Berufsfeld präziser einzuschätzen.

Mona R., 28 Jahre und Mutter von 2 Kindern, beginnt an der Gesundheitsakademie der Charité Anfang April 2018 eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegehilfe. Die gelernte Grafikerin aus dem Iran hat sich für einen weiteren Ausbildungsweg entschieden, da sie durch eine schwere Krankheit ihres Sohnes die Pflege in Deutschland kennengelernt hat. „Ich freue mich sehr, dass ich eine Ausbildungsstelle in der Pflege bekommen habe. Dank SpraBo konnte ich im Praktikum zeigen, was ich gelernt habe. Dies hat mir geholfen, mich für die Pflegeausbildung zu entscheiden“. „Ich möchte gern etwas von dem, was mir gegeben wurde zurückgeben“ sagt Mona R., die mit hoher Motivation an das Projekt SpraBo noch einen Pflegebasiskurs angeschlossen hat und aus diesem Anlass wieder ein Praktikum in der Charité macht.

Yara A., 21 Jahre, gebürtige Palästinenserin aus Damaskus, erklärt: „In Deutschland gibt es viele alte Menschen. Sie brauchen oft Unterstützung, um im Alltag zurechtzukommen. Wir können ihnen diese Hilfe geben. Wir sind jung und wollen arbeiten. SpraBo hat mir gezeigt, wie ich meine Träume erreichen kann.“

Farhan Ali M. ist 23 Jahre alt und stammt aus Äthiopien. Auch er sieht seine berufliche Zukunft in der Pflege und zugleich als Möglichkeit, etwas zurückzugeben, von dem was ihm an Hilfe und Unterstützung zuteil wurde. Farhan Ali M. ergänzt: „Durch SpraBo habe ich mein B2-Zertifikat geschafft. Nun kann ich mich um meinen Schulabschluss kümmern. Mein großer Traum ist es, einmal Medizin zu studieren.“

Herzstück der Kurse ist die Vermittlung von berufsbezogener Sprachkompetenz und praxisnahe berufliche Orientierung. Während des halbjährigen Kurses finden im Projekt 15 Stunden berufsorientierender Unterricht statt, der durch Pflegepädagoginnen –und Pflegepädagogen erteilt wird. Diese begleiten den Praktikumseinsatz und unterrichten in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Betreuung. In diesem Unterricht geht es viel um die Fachsprache. Das ist notwendig, da den Teilnehmenden selbst bei guten Deutschkenntnissen häufig das Vokabular fehlt, um sich auf der fachlichen Ebene austauschen zu können und die Kolleginnen und Kollegen in der Praxis verstehen zu können.

In weiteren 15 Wochenstunden findet allgemeinbildender Deutschunterricht statt. Die Herausforderung ist für Lehrende und Lernende groß, da die sprachlichen Unterschiede mit Blick auf die Niveaustufen oft erheblich sind. Voraussetzung für die Teilnahme an SpraBo ist das Sprachniveau A2 des Europäischen Referenzrahmens. Ideal ist es, wenn sich die Teilnehmenden durch ihre Kursteilnahme um eine Niveaustufe verbessern und dies in einer externen Prüfung unter Beweis stellen.

Die Erfahrungen in den praktischen Bereichen bei Vivantes und der Charité sind vielfältig.

„Ich wusste nicht, dass Pünktlichkeit in der Pflege so wichtig ist.“ sagt Zain A., mit 18 Jahren  der jüngste Teilnehmende aus der Gruppe der Charité. „Ich glaube, zu spät kommen ist schlimmer als faul sein...“ scherzt er. Auch dass Praktikanten Fragen stellen und Kritik üben können, ist für viele Teilnehmende etwas Neues, das reflektiert und geübt werden muss.

Die beruflichen Perspektiven im Anschluss an SpraBo sind nicht auf die Pflege begrenzt. Einige Teilnehmende streben andere Ausbildungen im Gesundheitswesen an, z.B. zum operationstechnischen Assistenten. Andere müssen sich zunächst um den Erwerb eines Schulabschlusses, z.B. am Oberstufenzentrum Gesundheit bemühen. Alle Teilnehmenden werden während ihrer Kursteilnahme mehrstufig beraten, welche Schritte auf die SpraBo Kursteilnahme folgen könnten, so dass ihre beruflichen Träume wahr werden. Im Idealfall sind die Teilnehmenden anschließend in der Lage, eine berufliche oder schulische Ausbildung zu absolvieren.

Der nächste SpraBo Kurs beginnt am 01.Juni und geht bis 31.November 2018. Es sind noch Plätze frei. Für weitere Informationen können Sie sich gerne an die unten stehenden Kontaktpersonen wenden.

Christina Polzin  
Projektleiterin SpraBo Charité
Charité Universitätsmedizin Berlin
Gesundheitsakademie Ausbildungsbereich Pflege
Oudenarder Strasse 16 // 13347 Berlin
Tel. +49 (0)30 450 576 298
christina.polzin(at)charite.de

Dr. Hagen Tuschke
Projektleiter SpraBo Vivantes
Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH
Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen
Rudower Str. 48 // 12351 Berlin
Tel. +49 (0)30 130 14 2768
hagen.tuschke(at)vivantes.de