IQ Informiert: MAZAB - Anpassungsqualifizierungen in IHK-Berufen zur vollen Anerkennung

Anpassungsqualifizierungen in IHK-Berufen: Auf dem Weg zur vollen Anerkennung der im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikationen mit der IHK Berlin und dem Berliner Teilprojekt des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung“ MAZAB

Mit dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG) (seit 1. April 2012 in Kraft), das verkürzt auch als Anerkennungsgesetz bezeichnet wird, wurde vor allem eines möglich: Menschen mit Berufsqualifikationen aus dem Ausland erhielten nun die Möglichkeit, die Gleichwertigkeit ihrer beruflichen Qualifikation in einem geregelten Verfahren in Deutschland prüfen zu lassen. Grundlage des Verfahrens ist eine Dokumentenprüfung. Durch die IHK FOSA als kammerübergreifende zuständige Stelle wird das Anerkennungsverfahren für IHK-Berufe bundesweit zentralisiert durchgeführt. Die Beratung zur Anerkennung blieb jedoch in der Zuständigkeit der IHKs vor Ort.

Da zur Prüfung der Gleichwertigkeit jedes Abschlusszeugnis einer im Herkunftsland staatlich anerkannten Ausbildung oder auch eines Studiums eingereicht werden kann, stellte sich hier früh die folgende Frage: welcher Bescheid soll ergehen, wenn die eingereichten Unterlagen nur eine teilweise Übereinstimmung mit den Inhalten des deutschen Referenzberufs und der einschlägigen Berufspraxis aufweisen? Mit der Entscheidung, bei wesentlichen Unterschieden zum deutschen Referenzberuf eine teilweise Gleichwertigkeit zu bescheiden, schuf die IHK einerseits Vorteile für die Fachkräfte selbst, denn sie erfahren eine Wertschätzung ihrer Qualifikationen auch unabhängig von einer vollen Anerkennung. Für Arbeitgeber eröffnet der Bescheid der teilweisen Gleichwertigkeit andererseits die Möglichkeit, die ausländische Qualifikation bewerten zu können, da im Bescheid sowohl die bereits absolvierten Inhalte als auch die fehlenden Inhalte und Berufspraxis im Detail aufgeführt sind.

Das Teilprojekt des Berliner Landesnetzwerks IQ „MAZAB – Mit Anpassungsqualifizierung zum anerkannten Berufsabschluss" verfolgt seit 2015 das Ziel, Menschen mit einer teilweisen Gleichwertigkeit durch Anpassungsqualifizierungen zur vollen Gleichwertigkeit ihrer Berufsqualifikation zu führen. Für die Konzeption von MAZAB kooperierten die IHK Berlin und das Projekt eng miteinander und haben zwischen 2013 und 2014 in mehreren Workshops zu den sogenannten nicht-reglementierten Ausbildungsberufen aus dem Zuständigkeitsbereich der IHK Kriterien und Standards entwickelt, die für Anpassungsqualifizierungen gelten sollten. Auf der Basis von tatsächlich ausgestellten Bescheiden mit Teilanerkennung wurden Qualifikationsbedarfe abgeleitet, welche durch Anpassungsqualifizierungen ausgeglichen werden können. Die Ergebnisse der Analyse zeigten, dass die Bescheidpraxis stark am Einzelfall orientiert ist und wesentliche Unterschiede überwiegend in der betrieblichen Praxis liegen.  Anpassungsqualifizierungen in IHK-Berufen sind deshalb nur individualisiert und zum überwiegenden Teil in der betrieblichen Praxis notwendig. Die Ansprache, Information und Begleitung der Betriebe bei der Durchführung einer Anpassungsqualifizierung sind daher wesentliche Bestandteile der Arbeit im Projekt MAZAB.

Während im Anerkennungsverfahren in den dualen Ausbildungsberufen die Sprachkenntnisse keine Rolle spielen, sind ausreichende Sprachkenntnisse für eine Anpassungsqualifizierung eine wichtige Voraussetzung. Das Projekt MAZAB bietet deshalb die Möglichkeit eines individuellen Sprachcoachings am Arbeitsplatz. Entsprechend den Standards des integrierten Sprach- und Fachlernens entwickelt ein Sprachcoach gemeinsam mit der Fachkraft Sprachlernziele, die sich an den Aufgaben und Anforderungen am jeweiligen Arbeitsplatz sowie den bereits vorhandenen individuellen Sprachkompetenzen in Deutsch und Ressourcen orientieren. In diesen Prozess werden auch Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen sowie die Strukturen und Prozesse im Unternehmen einbezogen. Ziele des Sprachcoachings sind die Erweiterung der kommunikativen Kompetenzen am Arbeitsplatz sowie die Entwicklung praktikabler und ressourcenorientierter Lernstrategien, welche die Fachkraft zunehmend zum selbständigen Sprachlernen führen.

Nach dreieinhalbjähriger Projektlaufzeit zeigen die Ergebnisse der Verbleibsbefragung des IQ- Netzwerks, dass die Zufriedenheit mit der Anpassungsqualifizierung sehr hoch ist und Fachkräfte, welche über Anpassungsqualifizierung zur vollen Gleichwertigkeit ihrer Berufsqualifikation gelangt sind, dauerhaft in qualifizierte Beschäftigung einmünden.

In einer Fachveranstaltung am 7. November 2018 wird das Projekt MAZAB seine Ergebnisse vorstellen sowie Interessierten einen Einblick in die Methoden und Instrumente der Qualifizierungsbegleitung und des Sprachcoachings am Arbeitsplatz geben.

Arbeitgeber, die eine Anpassungsqualifizierung anbieten wollen, können uns gern kontaktieren:

INBAS Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik GmbH 

Regionalbüro Berlin

MAZAB – Mit Anpassungsqualifizierung zum anerkannten Berufsabschluss
Alt-Moabit 60a
10555 Berlin-Mitte
Tel.: +49 (0) 30-294055-311/ -312
Fax: +49 (0) 30-394055-310
 
E-Mail: MAZAB(at)inbas.com

Internet: https://www.inbas.com/projektdatenbank/de-details/mazab.html