IQ vor Ort: „Im Betrieb angekommen?“ Veranstaltung am 27.06.2018 in der Reederei Riedel

Eindrücke von der Veranstaltung

Welche Erfahrungen haben Unternehmen gemacht? Über welche Erfolge können sie berichten? Welche Hürden mussten sie nehmen? Wie kann die Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt vorangebracht werden? Diese Fragen behandelte die Veranstaltung im Rahmen des IQ Projektes „Eine Frage der Einstellung“.

Mehr als 80 Gäste folgten am 27. Juni 2018 der Einladung von LIFE e.V. und dem IQ Landesnetzwerk Berlin in das Hafengelände der Reederei Riedel in Berlin-Rummelsburg. Personalverantwortliche aus Unternehmen, Vertreterinnen und Vertreter von Kammern, von Innungen, aus Verwaltungen sowie von Bildungsträgern und ehrenamtlichen Initiativen waren gekommen, um sich über den aktuellen Stand der Arbeitsmarktintegration Geflüchteter in Berlin zu informieren und sich über zukünftige Perspektiven auszutauschen.

Begrüßt wurden Sie von Frau Deniz, der Leiterin des IQ Landesnetzwerkes Berlin, und Frau Simon, Bereichsleiterin bei LIFE e.V. Beide betonten die gute Zusammenarbeit der unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteure, die sich in den letzten Jahren für Zugewanderte eingesetzt haben und verwiesen in diesem Zusammenhang auch auf die wichtige Rolle, die das Netzwerk ’Integration durch Qualifizierung (IQ)‘ dabei gespielt habe.

Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt – Aktueller Stand und Perspektiven

Herr Hanschke, Bereichsleiter beim Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Berlin Süd, resümierte in seinem Impulsvortrag das bisher Erreichte. Dabei zeigte er auf, dass sich inzwischen durchaus Erfolge nachweisen lassen, sowohl was die Arbeitsmarktstatistik betrifft als auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen relevanten Stellen. Im März 2018 waren in Berlin 10.400 geflüchtete Menschen in Sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, im gleichen Monat 2016 waren erst 4.077 auf dem ersten Arbeitsmarkt registriert. Das Gastgewerbe, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz sind die Top drei der Branchen, in denen geflüchtete Menschen beschäftigt werden. Diverse Förderinstrumente der Agenturen und Jobcenter werden angeboten, um die Integration in die Unternehmen zu unterstützen. In Kooperationsprojekten zwischen Arbeitsverwaltung, Kammern, Betrieben und Bildungsträgern werden neue Wege in der Ausbildung und der Vermittlung in Arbeit erprobt. Für Herrn Hanschke ist das Thema „Aufbau und Konsolidierung von Netzwerken“ somit auch die Quintessenz der Erfahrungen der letzten Jahre: Kooperationen einzugehen und gemeinsam neue Wege in den Arbeitsmarkt zu ebnen sieht er als wichtigen Erfolgsfaktor, um Geflüchteten berufliche Chancen zu eröffnen.

Erfolge und Herausforderungen aus Unternehmenssicht

In der Diskussionsrunde mit Unternehmensvertreterinnen und -vertretern des Krankenhauskonzerns Vivantes, dem Crowne Plaza City Centre Hotel und der Reederei Riedel wurde ebenfalls betont, dass eine gute Kooperation mit den zuständigen Verwaltungen plus das Engagement der Unternehmen und ihrer Mitarbeitenden wichtige Faktoren sind, damit die Eingliederung vor Ort gelingen kann. Die Buchhalterin Frau Rogow und der Auszubildende Herr Raschid von der Reederei Riedel, aus Russland und Syrien stammend, repräsentierten selbst gelungene Beispiele betrieblicher Integration. Herr Raschid kam über die Teilnahme an einer TASTE the Job Veranstaltung von LIFE e.V. in Kontakt mit der Reederei. Nach einer geförderten Einstiegsqualifizierung war sein Interesse an einer Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann geweckt. Die Reederei hatte inzwischen Gelegenheit, ihn genauer kennen zu lernen und seine Eignung für die Ausbildung zu überprüfen. Seit letztem Herbst ist er im Unternehmen und berichtete, dass er viel Unterstützung von der Belegschaft erhält und dadurch auch die sprachlichen Herausforderungen der Fachausbildung und der Berufsschule meistern kann. Herr Nilsson, General Manager vom Crowne Plaza, betonte die Vorteile einer vielfältigen Belegschaft für seine Branche und berichtete von engagierten und motivierten geflüchteten Menschen, die Interesse und Kompetenz für Dienstleistungsberufe zeigen und damit zum Unternehmenserfolg beitragen. Das gilt ebenso für die Gesundheitsbranche in Berlin, sagte Frau Meyer-Gohde, Leiterin der Zentralen Organisation bei Vivantes IbBG. Für die Pflegeberufe wünschen sich die Unternehmen jedoch weitere Erleichterungen sowohl bei der Anerkennung von mitgebrachten Qualifikationen als auch bei Qualifizierungswegen.

Mittel und Wege, um Geflüchtete in Arbeit und Ausbildung zu bringen

In einer zweiten Talkrunde mit Frau Al-Habash, Bereichsleiterin bei der IHK, Herrn Hanschke von der Agentur für Arbeit und Frau Dr. Ziegler von der Fachstelle Einwanderung des IQ Netzwerks wurden zwar auch die genannten Stolpersteine benannt, die sich integrationsbereiten Betrieben in den Weg stellen, sowohl auf bürokratischer Ebene als auch ganz konkret im betrieblichen Alltag. Die Runde war sich jedoch einig, dass sich das Engagement der Unternehmen gelohnt hat. Betriebe haben viele individuelle Lösungen für die Aufnahme geflüchteter Menschen gefunden. Auch die zuständigen Verwaltungen haben sich auf den Weg begeben, ihre Verfahren zu flexibilisieren und auf die Bedarfe von Geflüchteten und Betrieben einzugehen. Alle betonten, dass „noch Luft nach oben sei “, dass noch weite Wegstrecken zu bewältigen sind, um auch den vielen geflüchteten Menschen, die bisher nicht in Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt angekommen sind, die Integration zu erleichtern. Die geknüpften Kooperationsnetzwerke zeigten jedoch bereits Wirkung. Nun gelte es diese auf weitere Akteurinnen und Akteuren auszuweiten und zu verstetigen.

Im Betrieb angekommen – Resümee und Ausblick

Entgegen dem aktuellen Trend in der öffentlichen Diskussion ging von dieser Veranstaltung ein sehr positives Signal in Richtung Integration geflüchteter Menschen aus. Die letzten Jahre seien zwar für alle, die mit dem Thema befasst waren, aufregend gewesen, der Einsatz und das Engagement habe sich jedoch gelohnt, fasste die Moderatorin Frau Dr. Kropf am Ende zusammen.
Für eine nachhaltige Wirkung bedarf es nun weiterer Angebote der integrierten Sprachförderung sowie Investitionen in Bildung und Ausbildung, in Arbeitsvermittlung und der Förderung der Aufnahmebereitschaft von Wirtschaftsunternehmen durch den Abbau von bürokratischen Hürden.
 
03.07.2018, Heidemarie Kollatz, LIFE e.V.